Prothese / Fallbeispiel Implantat Steg
Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen in mehreren Schritten die Herstellung einer Implantat getragenen Prothese.
Marcel Beuggert - Zahntechniker
Ein
besonderes Dankeschön gilt
unserem Spezialisten für Vollkeramik, Marcel Beuggert.
Selbstverständlich beherrscht er auch komplexe abnehmbare Versorgungen, wie die hier beschriebene Steg-Versorgung.
Ohne sein Mitwirken wäre diese Foto-Dokumentation nicht möglich gewesen.
Die Vorgeschichte
Vor einiger Zeit besuchte mich ein Kunde mit dem Wunsch nach einer Neuversorgung
im Unterkiefer. Die Restbezahnung war nicht erhaltungswürdig, so
dass sämtliche Zähne extrahiert (gezogen) werden mussten. Da
der Patient hohe Anforderungen an Halt und Kaukomfort stellte, entschlossen
wir uns für eine Stegverankerung auf vier Implantaten.
Nachfolgend wird der zahntechnische Herstellungsprozess Schritt für Schritt
erklärt. Die Implantate wurden in
vorangehender Behandlung gesetzt und dürfen bereits belastet werden.
Die Einheilphase der Implantate wurde mit einer provisorischen Totalprothese überbrückt. Der Patient war zu keiner Zeit ohne Zähne.
Herstellung des individuellen Abdrucklöffels
Anhand eines Gipsmodells wird aus Kunststoff ein individueller Abdrucklöffel hergestellt.
Dadurch ist garantiert, dass der Löffel optimal den Schleimhaut- und Knochen-Gegebenheiten angepasst ist.
individueller Abdrucklöffel
Der Abdrucklöffel ist im Bereich der Implantate perforiert (durchlöchert).
Im Munde des
Patienten werden Abdruckpfosten auf die Implantate aufgeschraubt.
Der Abdrucklöffel wird mit Abdruckmaterial gefüllt und über den Implantaten platziert. Die Abdruckpfosten durchstossen den Abdrucklöffel an den vorher perforierten Stellen. Nach ungefähr fünf Minuten ist die Abdruckmasse abgebunden und die Abdruckpfosten können von den Implantaten losgeschraubt werden. Sie bleiben im Abdrucklöffel Stecken.
Abdrucklöffel nach erfolgtem Abdruck
So sieht der Abdruck aus, sobald er aus dem Munde entfernt wurde.
Gut sichtbar sind die vier roten Implantat-Abdruckpfosten.
Meister-Model
Durch die Abformung mit dem individuellen Löffel erhält der Zahntechniker die genaue Position der Implantate, sowie die genauen Schleimhautverhältnisse.
Die Situation auf dem Gipsmodell (Meister-Modell) ist eine perfekte Nachbildung der Situation im Munde des Patienten.
Steg
Der Steg wird aus einer hochgoldhaltigen Legierung hergestellt und optimal auf Kiefer- und Implantatverhältnisse angepasst.
Aufschrauben des Steges
Der Zahntechniker kontrolliert im Labor den Sitz des Steges. Dieser sollte den Implantaten spannungsfrei aufliegen.
Montierter Steg
Hier sehr schön zu sehen ist die grossflächige Ausdehnung des Steges. Dies bewirkt eine gute Abstützung der späteren Prothese und einen optimalen Halt.
Steg-Reiter
Die Steg-Reiter werden auf den Steg aufgepasst. Diese Stegreiter werden später in der Prothese befestigt und dienen der Prothese zur Verankerung am Steg.
Bissschablone mit Wachswall
Auf dem Meistermodell wird eine Bissschablone mit Wachswall hergestellt. Diese dient zur Biss-Registrierung. Dabei lässt man den Patienten auf den Wachswall beissen und erhält so die genaue Lagebeziehung von Oberkiefer zu Unterkiefer. Diese ist nötig, um später die künstlichen Zähne korrekt aufstellen zu können.
Einartikulierte Modelle
Durch die Wachsschablone können Oberkiefer- und Unterkiefergipsmodell korrekt zu einander fixiert werden. Man nennt diesen Vorgang einartikulieren.
Artikulator mit in Wachs aufgestellten Zähnen
Der Artikulator ermöglicht es dem Zahntechniker in groben Zügen die Bewegungen des Kiefergelenkes nachzuahmen. Nur so ist eine korrekte Aufstellung der Zähne und damit ein problemloses späteres Kauen möglich.
Die in Wachs aufgestellten Zähne werden durch den Zahnarzt im Munde des Patienten platziert und auf perfekten Sitz kontrolliert.
Prothesengerüst
Der Zahntechniker stellt ein Gerüst aus einer hochgoldhaltigen Legierung her. Dieses Gerüst dient zur Verstärkung der Prothese und nimmt die Steg-Reiter auf.
Kunststoff-Zähne
Die Wachsaufstellung welche im Munde des Patienten einprobiert wurde, wird verschlüsselt. Das heisst die in Wachs aufgestellten Zähne werden durch eine Silikon-Masse fixiert.
Prothesenkunststoff
Das Gerüst der
Prothese sowie die künstlichen Zähne werden durch den Kunststoff-Schlüssel
(blau) fixiert. In die Zwischenräume gibt
der Zahntechniker flüssigen rosaroten Kunststoff. Dieser rosarote
Kunststoff bildet die eigentliche Prothesenbasis und verbindet Gerüst
und künstliche Zähne definitiv miteinander.
fertig gestellte Prothese
Von vorne sieht man nichts vom Gerüst. Der rosa Kunststoff der Prothesenbasis kaschiert (verbirgt) den Übergang der Prothese zur Schleimhaut.
Von hinten ist das Prothesengerüst sichtbar. Dies überdeckt man nicht mit Kunststoff, da man die Prothese möglichst schmal gestalten möchte, um den Zungenraum nicht zu stark einzuengen. Ein zu enger Zungenraum führt zu Sprachbildungsstörungen in Form von Zischlauten.
fertig gestellte Prothese von unten
Die Steg-Reiter (hier drei an der Zahl) sind sehr gut sichtbar und dienen zur Verankerung der Prothese am Steg.
Steg und fertig gestellte Prothese
Im Labor werden die Abzugkräfte der Prothese mittels Aktivierung und Deaktivierung der Steg-Reiter voreingestellt.
Bei starker Aktivierung lässt sich die Prothese kaum noch aus dem Munde entfernen. Eine Nachjustierung muss immer zusammen mit dem Patienten erfolgen, da sonst Gefahr besteht, dass dieser die Prothese nicht mehr entfernen kann.